Die meisten Teichbesitzer denken bei Wintervorbereitung zuerst an Pumpen, Filter und Frostschutz. Aber die Fische selbst brauchen ebenfalls gezielte Vorbereitung – und die beginnt nicht erst wenn die ersten Nächte frostig werden, sondern bereits im September, wenn die Wassertemperaturen langsam fallen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Ihre Teichfische optimal auf den Winter vorbereiten, wann Sie mit der Fütterung aufhören sollten, worauf Sie bei der Überwinterung achten müssen – und was im Winter wirklich gefährlich für Fische wird.
Wie überwintern Teichfische?
Teichfische wie Koi, Goldfische, Orfen und Schleien sind wechselwarme Tiere – ihr Stoffwechsel passt sich direkt der Wassertemperatur an. Mit sinkenden Temperaturen verlangsamt sich alles: Herzschlag, Atmung, Verdauung und Immunsystem. Ab etwa 10 °C Wassertemperatur stellen die meisten Teichfische ihre aktive Nahrungsaufnahme weitgehend ein. Ab 4–6 °C verfallen sie in eine Art Winterruhe – sie bewegen sich kaum noch und suchen die tiefsten, wärmsten Stellen des Teichs auf.
Dieser Zustand ist für gesunde Fische völlig normal und ungefährlich – vorausgesetzt, der Teich bietet die richtigen Bedingungen.
Was macht den Winter gefährlich für Fische?
Nicht die Kälte selbst ist das Problem – Teichfische sind auf Winterruhe ausgelegt. Gefährlich wird es durch drei Faktoren:
1. Sauerstoffmangel unter der Eisdecke
Wenn der Teich zufriert, ist der Gasaustausch zwischen Wasser und Luft unterbrochen. Gleichzeitig verbrauchen Bakterien beim Zersetzen organischen Materials am Teichboden weiterhin Sauerstoff. Bei langen Frostperioden und viel Schlamm im Teich kann der Sauerstoffgehalt unter der Eisdecke auf kritische Werte sinken.
2. Faulgas unter der Eisdecke
Zersetzungsprozesse am Teichboden produzieren Schwefelwasserstoff und andere giftige Gase. Normalerweise entweichen diese Gase an die Oberfläche – unter einer geschlossenen Eisdecke sammeln sie sich im Wasser an. Bei viel Schlamm und langen Frostperioden kann das für Fische tödlich werden.
3. Unverdautes Futter im Darm
Wenn Fische bei zu niedrigen Temperaturen noch Futter aufnehmen, können sie es nicht mehr verdauen – der Stoffwechsel ist zu langsam. Unverdautes Futter im Darm kann bei Fischen zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Deshalb ist der richtige Zeitpunkt zum Absetzen der Fütterung entscheidend.
Die richtige Fütterung im Herbst – wann aufhören?
Die Fütterung im Herbst sollte schrittweise reduziert und schließlich ganz eingestellt werden – passend zur sinkenden Wassertemperatur:
| Wassertemperatur | Fütterungsempfehlung |
|---|---|
| über 15 °C | Normal füttern – hochwertiges Sommerfutter |
| 10 – 15 °C | Auf leicht verdauliches Herbstfutter umstellen, Menge reduzieren |
| 8 – 10 °C | Nur noch sehr wenig füttern – ein- bis zweimal pro Woche |
| unter 8 °C | Fütterung komplett einstellen |
Ab 10 °C sollten Sie auf Herbst- oder Winterfutter umstellen. Dieses Futter ist leichter verdaulich – es enthält weniger Protein und mehr leicht verwertbare Kohlenhydrate, die auch bei niedrigen Temperaturen noch verarbeitet werden können. Weizenkeime sind ein klassischer Bestandteil guter Herbstnahrung.
Schlamm vor dem Winter entfernen
Das ist die wichtigste einzelne Maßnahme zur Wintervorbereitung für Fische. Je weniger Schlamm am Teichboden, desto weniger Faulgas entsteht unter der Eisdecke – und desto sicherer überwintern die Fische.
Der ideale Zeitpunkt: Oktober, wenn die Wassertemperatur unter 10 °C gesunken ist und die Fische bereits in Winterruhe sind. Dann sind sie weniger stressanfällig und der biologische Abbau im Schlamm hat sich bereits verlangsamt.
Nicht zu spät absaugen – bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt ist das Absaugen für die Fische stressiger, und bei gefrorenem Teichboden gar nicht mehr möglich.
Teichtiefe und Winterruhe
Teichfische suchen im Winter die tiefsten Stellen des Teichs auf – dort ist das Wasser am wärmsten, da Wasser bei 4 °C seine maximale Dichte erreicht und schwerere, wärmere Schichten am Boden bleiben.
Als Faustregel gilt: Der Teich sollte an seiner tiefsten Stelle mindestens 80–100 cm tief sein, damit er in normalen deutschen Wintern nicht vollständig durchfriert. Bei sehr flachen Teichen oder in Regionen mit strengen Wintern empfiehlt sich eine Überwinterung der Fische im Innenbereich.
Fische dürfen im Winter nicht gestört werden – kein Absaugen, kein Umsetzen, keine unnötigen Eingriffe in den Teich. Die Winterruhe ist ein empfindlicher Zustand der durch Stress unterbrochen werden kann.
Sauerstoffversorgung im Winter sicherstellen
Auch wenn der Teich zufriert, brauchen Fische in Winterruhe eine minimale Sauerstoffversorgung. Die wichtigsten Maßnahmen:
Eisloch offen halten
Ein offenes Eisloch an der Oberfläche ermöglicht den Gasaustausch – Sauerstoff rein, Faulgas raus. Das Eisloch kann durch einen Teichheizer, eine Tauchpumpe oder einen Teichbelüfter offen gehalten werden. Niemals Eis durch Schlagen aufbrechen – die Schockwellen können Fische töten.
Belüfter flach positionieren
Im Winter sollte ein Teichbelüfter nicht am Boden laufen – er würde das wärmere Bodenwasser aufwirbeln und die natürliche Temperaturschichtung stören. Belüfter im Winter in die obere Wasserschicht (20–30 cm Tiefe) hängen.
OXYLIFTER als Winterreserve
Bei längeren Frostperioden kann OXYLIFTER eingesetzt werden, um den Sauerstoffgehalt gezielt zu erhöhen – durch ein offenes Eisloch direkt ins Wasser einbringen.
Wasserwerte vor dem Winter kontrollieren
Vor dem Winter sollten Sie die wichtigsten Wasserwerte messen und bei Bedarf korrigieren – im Frühjahr ist es einfacher mit einem guten Ausgangswert in die Saison zu starten als mit einem bereits belasteten System.
Besonders wichtig vor dem Winter:
- pH-Wert: Sollte zwischen 7,0 und 8,5 liegen. Ein stabiler pH im Winter schützt Fische vor zusätzlichem Stress.
- KH-Wert: Mindestens 6 °dH für ausreichende Pufferkapazität. Niedrige KH im Winter kann zu pH-Stürzen führen wenn Faulgas produziert wird.
- Ammoniak: Sollte unter 0,1 mg/l liegen. Erhöhte Ammoniakwerte im Winter sind besonders gefährlich, weil die Fische in Winterruhe keine Möglichkeit haben auszuweichen.
Filter und Pumpe im Winter
Ab einer Wassertemperatur von dauerhaft unter 8 °C sollte der Teichfilter abgeschaltet werden. Die Filterbakterien sind bei diesen Temperaturen nicht mehr aktiv – ein laufender Filter pumpt nur kaltes Oberflächenwasser in den Teich und stört die natürliche Temperaturschichtung.
Den Filter vor dem Abschalten gründlich mit Teichwasser (nicht Leitungswasser) reinigen und frostfrei lagern. Filtermaterial kann im Teich überwintern – in einem Eimer mit Teichwasser, damit die Restbakterien nicht absterben.
Eine kleine Tauchpumpe oder ein Belüfter kann den Winter über laufen – flach positioniert, um das Eisloch offen zu halten ohne die Temperaturschichtung zu stören.
Fische im Winter beobachten – worauf achten?
Im Winter sollten Sie Ihre Fische regelmäßig beobachten – auch wenn sie in Winterruhe sind. Warnsignale die Sie ernst nehmen sollten:
- Fische liegen auf der Seite oder treiben passiv – sofort handeln, Eisloch vergrößern, Sauerstoff einbringen
- Fische stehen ungewöhnlich hoch im Wasser – möglicher Sauerstoffmangel oder Faulgas
- Starker Geruch nach Faulgas beim Öffnen des Eislochs – Wasserqualität kritisch, sofort belüften
- Tote Fische – sofort entfernen damit keine weitere Ammoniaklast entsteht
Checkliste: Fische auf den Winter vorbereiten
- Ab 15 °C auf Herbstfutter umstellen
- Ab 10 °C Futtermenge stark reduzieren
- Ab 8 °C Fütterung komplett einstellen
- Im Oktober Schlamm absaugen
- Wasserwerte messen und bei Bedarf korrigieren (pH, KH, Ammoniak)
- Laubnetz spannen um weiteren Laubeintrag zu verhindern
- Filter abschalten und frostfrei einlagern
- Belüfter oder Teichheizer für offenes Eisloch vorbereiten
- OXYLIFTER griffbereit halten für den Notfall
- Fische regelmäßig beobachten – auch im Winter
Häufige Fragen zur Überwinterung von Teichfischen
Müssen Koi drinnen überwintern?
Gesunde, ausgewachsene Koi können in einem ausreichend tiefen Teich (mindestens 100–120 cm) problemlos im Freien überwintern – vorausgesetzt, das Wasser friert nicht vollständig durch und es gibt ein offenes Eisloch. Junge Koi unter einem Jahr und kranke oder geschwächte Fische sollten besser drinnen überwintern.
Kann ich Goldfische auch im Winter füttern?
Nein – unter 8 °C Wassertemperatur keine Fütterung. Goldfische kommen problemlos ohne Futter durch den Winter – sie leben von ihren Fettreserven. Wer trotzdem füttert, riskiert unverdautes Futter im Darm und gesundheitliche Probleme.
Was tun wenn der Teich komplett zufriert?
Niemals Eis durch Schlagen oder Hämmern aufbrechen – die Schockwellen können Fische töten. Stattdessen heißes Wasser auf das Eis gießen oder einen Topf mit heißem Wasser aufs Eis stellen bis es schmilzt. Dann ein Eisloch offen halten.
Muss ich Fische im Winter umsetzen?
Nein – das Umsetzen im Winter ist für Fische in Winterruhe sehr stressig und sollte vermieden werden. Einzige Ausnahme: Der Teich ist zu flach und droht vollständig durchzufrieren.
Ab wann darf ich im Frühjahr wieder füttern?
Erst wenn die Wassertemperatur dauerhaft über 10 °C liegt – nicht nur tagsüber, sondern auch nachts. Mit leicht verdaulichem Frühjahrsfutter beginnen und langsam zur normalen Sommerfütterung übergehen.
Fazit: Gute Vorbereitung im Herbst – ruhiger Winter
Teichfische überwintern problemlos wenn die Bedingungen stimmen: ausreichende Tiefe, sauberer Teichboden, offenes Eisloch und keine Fütterung unter 8 °C. Wer im Oktober konsequent Schlamm absaugt, Wasserwerte korrigiert und rechtzeitig mit der Fütterung aufhört, legt den Grundstein für gesunde Fische im Frühjahr.
Weiterführende Ratgeber: