Im Sommer sind Teichfische aktiver als zu jeder anderen Jahreszeit – und haben entsprechend Hunger. Gleichzeitig ist überschüssiges Futter im Hochsommer problematischer als in den kühleren Monaten: Es zersetzt sich schneller, setzt Nährstoffe frei und treibt Algen- und Schlammbildung an. Wer seine Fische im Sommer richtig füttert, tut damit nicht nur seinen Fischen etwas Gutes – sondern hält gleichzeitig die Wasserqualität stabil.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie viel Sie im Sommer füttern sollten, welches Futter geeignet ist, wann Sie besser gar nicht füttern – und worauf Sie bei Hitzewellen besonders achten müssen.
Warum die Fütterung im Sommer besonders wichtig ist
Der Stoffwechsel von Fischen ist wechselwarm – er richtet sich direkt nach der Wassertemperatur. Je wärmer das Wasser, desto aktiver sind die Fische, desto schneller arbeitet ihre Verdauung und desto mehr Futter nehmen sie auf. Bei 20–25 °C Wassertemperatur sind Koi, Goldfische und andere Teichfische auf dem Höhepunkt ihrer Aktivität.
Gleichzeitig steigt mit höheren Temperaturen auch die biologische Aktivität im gesamten Teich: Bakterien arbeiten schneller, organisches Material zersetzt sich rascher, und nicht gefressenes Futter fängt innerhalb von Stunden an zu faulen. Was im April noch unkritisch war, kann im Juli innerhalb eines Tages zu messbarem Ammoniak- und Nitriteintrag führen.
Wie viel füttern im Sommer?
Die wichtigste Faustregel: Nur so viel füttern, wie die Fische in fünf Minuten vollständig auffressen. Was nach fünf Minuten noch im Wasser treibt oder am Boden liegt, ist zu viel – und sollte sofort abgefischt werden.
Konkret bedeutet das für die meisten Gartenteiche:
- Kleine Teiche (unter 5.000 Liter): einmal täglich füttern, kleine Portionen
- Mittelgroße Teiche (5.000 – 20.000 Liter): ein- bis zweimal täglich, je nach Fischbesatz
- Große Teiche und Koiteiche: zwei- bis dreimal täglich in kleinen Portionen – häufigere, kleinere Mahlzeiten sind besser als eine große
Welches Futter im Sommer?
Im Sommer brauchen Teichfische ein Futter, das ihrer erhöhten Aktivität und ihrem gesteigerten Stoffwechsel entspricht. Hochwertige Sommernahrung hat einen höheren Protein- und Energiegehalt als Frühlings- oder Herbstfutter und wird vollständiger verwertet – was direkt weniger organische Last im Wasser bedeutet.
Schwimmfutter vs. Sinkfutter
Für die meisten Gartenteichfische – Goldfische, Koi, Orfen, Schleien – ist Schwimmfutter im Sommer die bessere Wahl. Es bleibt an der Oberfläche und lässt sich leicht beobachten und kontrollieren. Was nicht gefressen wird, ist sofort sichtbar und kann abgefischt werden.
Sinkfutter eignet sich für Fische, die am Grund fressen – zum Beispiel Welse oder Schleien. Der Nachteil: Nicht gefressenes Sinkfutter landet unsichtbar am Boden und fängt dort an zu faulen. Nur dann einsetzen, wenn Sie sicher sind, dass es vollständig gefressen wird.
Futterarten im Überblick
| Futterart | Geeignet für | Sommereignung |
|---|---|---|
| Pellets (Schwimmfutter) | Koi, Goldfische, Orfen | Sehr gut – leicht kontrollierbar |
| Sticks (Schwimmfutter) | Koi, Goldfische | Gut – langsam sinkend |
| Flocken | Kleinere Fische, Jungfische | Gut – schnell gefressen |
| Sinkfutter/Granulat | Bodenfresser (Wels, Schleie) | Nur bei sicherem Verzehr |
| Naturkost (Wasserflöhe, Mückenlarven) | Alle Fische | Sehr gut – natürliche Ergänzung |
Wann besser nicht füttern
Bei Hitzewellen über 28 °C Wassertemperatur
Ab etwa 28 °C Wassertemperatur sollten Sie die Fütterungsmenge stark reduzieren – oder an besonders heißen Tagen ganz darauf verzichten. Der Grund: Bei sehr hohen Temperaturen sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, gleichzeitig steigt der Sauerstoffverbrauch der Fische beim Verdauen. Die Kombination aus Hitze, niedrigem Sauerstoff und aktiver Verdauung kann für Fische gefährlich werden.
Füttern Sie an sehr heißen Tagen wenn überhaupt nur in den frühen Morgenstunden – dann ist der Sauerstoffgehalt am niedrigsten, aber die Wassertemperatur noch erträglich. Nie mittags bei praller Sonne füttern.
Bei erhöhten Nitrit- oder Ammoniakwerten
Wenn Sie bei der Wassermessung erhöhte Nitrit- oder Ammoniakwerte feststellen, stoppen Sie die Fütterung sofort. Jede Futtereinheit erhöht die organische Last und damit die Produktion dieser Giftstoffe weiter. Erst wenn die Werte wieder im Normalbereich liegen, langsam wieder mit der Fütterung beginnen.
Bei sichtbarem Desinteresse der Fische
Wenn Fische das Futter ignorieren oder nur zögerlich fressen, ist das ein Signal. Mögliche Ursachen: schlechte Wasserqualität, Sauerstoffmangel, Krankheit oder schlicht zu häufige Fütterung. Fütterung aussetzen und Wasserwerte messen.
Fütterung und Wasserqualität – der direkte Zusammenhang
Überfütterung ist einer der häufigsten Fehler im Gartenteich – und einer der folgenreichsten für die Wasserqualität. Der direkte Zusammenhang:
- Nicht gefressenes Futter → zersetzt sich → setzt Ammoniak frei → steigert Nitrit und Nitrat
- Fischkot aus übermäßiger Fütterung → erhöht Phosphat und organische Last
- Hohe Phosphat- und Nitratwerte → ideale Bedingungen für Algen
- Mehr Algen → weniger Sauerstoff → Stress für Fische
Wer seine Fütterungsmenge konsequent kontrolliert, bricht diesen Kreislauf an der Wurzel – effektiver als jede nachträgliche Behandlung.
Urlaub: Was tun mit den Fischen?
Gesunde, erwachsene Teichfische können problemlos ein bis zwei Wochen ohne Fütterung auskommen – besonders im Sommer, wenn natürliches Futter wie Insekten, Wasserflöhe und Algen im Teich vorhanden ist. Eine kurze Urlaubsabwesenheit ist für die meisten Gartenteichfische kein Problem.
Bei längerer Abwesenheit oder sehr hohem Fischbesatz gibt es zwei sinnvolle Optionen:
- Automatischer Futterautomat: Gibt täglich eine definierte Portion ab – sicherer als eine Vertrauensperson, die möglicherweise zu großzügig füttert
- Teichsitter mit klarer Anweisung: Genaue Menge und Häufigkeit schriftlich festhalten, nicht „nach Gefühl" füttern lassen
Fütterung und Fischgesundheit im Sommer
Beobachten Sie Ihre Fische täglich – nicht nur beim Fressen, sondern auch ihr allgemeines Verhalten. Gesunde Fische im Sommer sind aktiv, fressen enthusiastisch und zeigen lebhafte Farben. Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten:
- Fische stehen apathisch an der Oberfläche: Sauerstoffmangel oder erhöhte Nitritwerte – sofort Wasserwerte messen
- Fische reiben sich an Steinen oder Pflanzen: Möglicher Parasitenbefall – näher beobachten
- Fressunlust bei sonst aktiven Fischen: Wasserqualität prüfen
- Verfärbungen, Flossenschäden, weiße Punkte: Mögliche Erkrankung – kranke Fische isolieren
Tote Fische müssen sofort aus dem Teich entfernt werden – sie zersetzen sich schnell und setzen große Mengen Ammoniak frei, was die verbleibenden Fische gefährden kann.
Häufige Fragen zur Fütterung im Sommer
Wie merke ich, dass ich zu viel füttere?
Das sicherste Zeichen: Futter bleibt nach fünf Minuten noch im Wasser. Weitere Hinweise: steigende Phosphat- und Nitratwerte trotz guter Pflege, vermehrtes Algenwachstum, trübes Wasser, Schlamm am Boden nimmt schnell zu.
Können Fische im Sommer auch Obst oder Gemüse fressen?
Ja – Koi und Goldfische fressen gerne weiche Obst- und Gemüsestücke wie Wassermelone, Orangenscheiben oder Salat als Ergänzung. Diese natürliche Kost wird gut verwertet und hinterlässt weniger organische Last als manche Fertigfutter. Reste immer abfischen.
Soll ich im August anders füttern als im Juni?
Im August steigen die Wassertemperaturen oft auf ihr Jahreshoch. Fütterung dann nochmals reduzieren und besonders auf den Sauerstoffgehalt achten. Ab September, wenn die Temperaturen fallen, beginnt der langsame Übergang zu leichter verdaulichem Herbstfutter.
Ab welcher Wassertemperatur soll ich aufhören zu füttern?
Unter 10 °C Wassertemperatur sollten Sie die Fütterung komplett einstellen – der Stoffwechsel der Fische ist dann so verlangsamt, dass sie Futter nicht mehr verdauen können und es unverdaut im Darm verbleiben kann. Im Sommer ist die Untergrenze kein Thema, aber die Obergrenze schon: Ab 28 °C stark reduzieren, ab 30 °C pausieren.
Fazit: Weniger ist mehr – besonders im Sommer
Die wichtigste Regel für die Sommerfütterung ist nicht, welches Futter Sie verwenden – sondern wie viel. Zu wenig gefütterte Fische holen sich ihren Bedarf aus natürlichen Quellen im Teich. Zu viel gefütterte Fische hinterlassen organische Last, die die Wasserqualität destabilisiert und Folgeproblemen Vorschub leistet.
Fünf Minuten, kleine Portionen, täglich beobachten – das ist alles, was Sie für eine gute Sommerfütterung brauchen.
Weiterführende Ratgeber: